Mittwoch, 4. April 2012

Anfangsgeschichte vom ersten Schultag (2. Teil)

Die Luft ist noch kühl, die ersten Vögel zwitschern. Toni bleibt immer wieder stehen und schaut, lauscht und staunt.
Freudig reicht Toni Papa sein Hand und die beiden wandern weiter. Allmählich wird der Weg beschwerlicher. Immer wieder müssen die beiden über Geröll hinweg klettern. Der Anstieg ist nun deutlich zu merken. Toni bleibt stehen. Sie sind jetzt auf halber Höhe angekommen und Toni genießt den Ausblick.
"Ah, Papa, schau nur, wie schön der Himmel aussieht. Als hätte ihn ein Maler angemalt." In herrlichen Rottönen lässt die aufgehende Sonne den Himmel erstrahlen. "Noch ein kleines Stück. Dann machen wir Rast." sagt Papa. Munter bezwingen die beiden auch dieses Wegstück. Tonis Vater hat für die Rast einen Platz ausgesucht von dem man einen wunderschönen Blick fast über das ganze Tal haben kann.
Toni packt seinen Rucksack aus und auch Papa packt ein großes Vesperpaket aus. Sie stillen ruhig vor sich hinkauend ihren Hunger. "So lecker hat die Wurst noch nie geschmeckt. Und das Brot auch nicht."stellt Toni fest. Dann packt er alles ein und holt seinen Glücksstein aus der Seitentasche des Rucksacks. Ruhig liegt der Stein in seiner Hand und er betrachtet ihn, hält ihn gegen die Sonne und freut sich am Sonnenlicht, dass durch den Stein schimmert. Sorgsam packt er ihn wieder in den Rucksack zurück. Jetzt soll es weiter gehen. Bis zum Gipfel ist es nun nicht mehr weit.

Oben angekommen tragen sich Papa und Toni in das Gipfelbuch ein. Toni kann schon seinen Namen schreiben. Jeden Buchstaben malt er sorgfältig auf das Papier. Erst den ganz geraden Strich vom "T", das bekommt dann noch einen ganz waagerechten Strich darüber. Rund wie die Sonne ist das "O". Nun noch ein "N", auf und schräg hinunter und wieder herauf. Das "I" ist ganz einfach. Sorgsam setzt Toni den letzten Strich von oben nach unten auf das Papier. TONI, so steht es jetzt im Gipfelbuch.
Den ganzen Rückweg hüpft Toni fast, so aufgeregt ist er. Was er alles der Mama, der Resi und der Oma erzählen will. Vom Vogelgezwitscher, vom Sonnenaufgang, von den vielen kleinen Blumen, von den schönen Steinen auf dem Weg, von der Aussicht auf das Tal, von der leckeren Wurst,...
Zu Hause angekommen sprudeln all die Eindrücke aus Toni heraus. "Ach, es war so herrlich." sagt Toni. Dann packt er seinen Rucksack aus. Doch was ist das, sein Glückstein ist weg. Unauffindbar.
Er ist nicht mehr im Rucksack, so sehr er auch danach sucht. Toni merkt, wie langsam Tränen in seine Augen steigen. Der Glückstein, den er bei einem Kindergartenausflug gefunden hatte, scheint für immer verloren. Seit er ihn gefunden hatte, hat Toni ihn überall mit hingenommen. Ganz bedrückt ist er als Papa in sein Zimmer kommt. "Na, Toni, nun bist du sicher ganz müde." sagt Papa. Da kann Toni die Tränen nicht mehr zurückhalten. Papa nimmt Toni in den Arm und setzt sich mit ihm auf das Bett.
Er hört Toni gut zu und kann seinen Kummer verstehen. "Ja, so ist dass im Leben. Manchmal geht etwas verloren und darüber darf man auch ganz traurig sein...Ich habe noch etwas für dich, was ich dir zum Schulanfang schenken möchte. Es ist sicher kein Ersatz für deinen Glückstein, aber schau, diesen Bergkristall hat mir mein Vater geschenkt als ich zur Schule gekommen bin. Nun sollst du ihn haben."
Toni schaute vorsichtig den durchsichtigen Bergkristall an. Vielleicht konnte es ja sein neuer Glücksstein werden und vielleicht würde ein anderer Tonis Stein finden und vielleicht würde Tonis Stein demjenigen Glück bringen.

Hier geht es weiter.

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