Sonntag, 29. April 2012

Wasserfarben malen (1)

Freitags ist unser Wasserfarben-Maltag. Montag wäre vom Wochenrhythmus her auch ein schöner Tag, doch montags sind wir immer gleich nach dem gemeinsamen Unterstufen-Singkreis im Wald unterwegs, so dass an diesem Tag keine Zeit für das Malen ist.


Mit dem Wasserfarben Malen habe ich mit den Kindern nicht gleich in den ersten Schulwochen begonnen. Vieles war für die Kinder neu und immer wieder zeigte sich, wie wohltuend es für sie ist, für alles Zeit und Atem zu haben. Da ich die Kinder den ganzen Schultag begleite und wir nur zwei Fachstunden (Handarbeit und Eurthmie) fest im Stundenplan integriert haben und Englisch im rhythmischen Teil des Hauptunterrichtes als Epoche eingebunden ist, war für mich deutlich, dass das Malen außerhalb des Hauptunterrichtes stattfinden würde. So ist nun die letzte Stunde am Freitag unsere Wasserfarben-Malzeit.

Trotzdem gab es eine Schulwoche, in der das Wasserfarben Malen in der Epochenzeit des Hauptunterrichtes stattfand. Ganz zu Anfang war es mir wichtig, gute Gewohnheiten beim Malen mit den Kindern anzulegen. Gewohnheiten entstehen durch Wiederholung. So nahm ich mir die ganze erste Schulwoche nach den Herbstferien Zeit, um das Wasserfarben Malen einzuführen. Da sich dieser Schulwoche sowieso eine besondere Woche in unserem Schulleben anschloss, in der kein regulärer Epochenunterricht stattfand, hatte ich dies bereits bei meiner Epochenplanung berücksichtigt. Durch die tägliche Wiederholung war den Kindern rasch der Ablauf vertraut. Am Anfang brauchte das Vorbereiten und Nachbereiten noch viel Zeit. Auch die notwendige Achtsamkeit musste von einigen erst erübt werden. Doch bereits am ersten Mal-Freitag nach dieser Woche waren die Kinder mit allem so vertraut, dass sie mich an die Malschürzen erinnerten, die ich beinahe vergessen hatte.

Im Arbeitsteil des Hauptunterrichtes unterrichte ich normaler Weise frontal. Während des Malens wie auch bei der Handarbeit und verschiedenen anderen künstlerischen Tätigkeiten sitzen die Kinder aber in einer U-Form im Raum. So ist es leichter möglich, alle Kinder schnell zu erreichen, um sie zu unterstützen. (Mehr zur Sitzordnung hier.)

In der Einführungswoche waren alle Kinder am Richten für das Malen beteiligt. Jetzt gibt es immer Helfer, die mich gern beim Vorbereiten unterstützen. Die anderen Kinder sind in dieser Zeit in der Pause.
Als erstes werden unsere Bänke in die entsprechende Sitzordnung gerückt. Dann werden die Malbretter verteilt. In diesem Durchgang habe ich mich für das Malen mit Pflanzenpigmenten entschieden. Deshalb werden nun die Reibschalen und die Stößel ausgeteilt. Jedes Kind erhält ein Glas mit Wasser, um den Pinsel auswaschen zu können. Auch die Pinsel und die Naturschwämmchen (aus dem DM-Markt, in drei Teile geteilt) werden bereit gelegt. Ich habe eine große Plastikwanne (IKEA), in der DIN A 3 Blätter gut Platz haben. In dieser Wanne bewahre ich alle Malutensilien auf. Wenn sie nun leergeräumt ist, werden darin gleich die Aquarellpapiere eingeweicht. Zuvor beschrifte ich die Papiere noch mit den Namen der Kinder und dem entsprechenden Datum. 

Wenn die Kinder nach der Pause ins Klassenzimmer kommen, wissen sie, dass sie ganz achtsam das Zimmer betreten müssen, damit nichts herunter fällt. Als erstes binden alle ihre Schürzen um. Wenn nun alle auf ihren Plätzen sitzen, erzähle ich die jeweilige Farbgeschichte. Dann teile ich die Farbpigmente aus, die die Kinder in den Reibschalen verreiben. Die Wachs-Harz-Emulsion kommt dazu und wird mit verrieben. Nun kommen noch einige Tröpfchen Wasser dazu. Während des Reibens erfreuen sich die Kinder am besonderen Duft. Es entsteht immer eine ganz schaffige, freudige Stimmung. In dieser Zeit werden auch die Aquarellpapierblätter auf die Malbretter gezogen. Das überschüssige Wasser entfernen die Kinder mit ihren Schwämmchen selbst.

Im Anschluss malen die Kinder, jeder in  seinem Tempo. Immer zwei Kinder benutzen gemeinsam ein Reibschälchen mit Farbe. Zuvor aber erinnern wir uns noch einmal an die Farbgeschichte und überlegen gemeinsam, wie sie sich technisch am besten umsetzen lässt.

Wenn ich sehe, dass ein Bild fast fertig ist, gehe ich zu dem Kind und sage ihm, dass es sein Malbrett gleich in den Malschrank zum Trocknen bringen darf. Oft übernimmt ein Kind das Einsortieren der Bretter in den Malschrank. Da wir kein Waschbecken im Klassenzimmer haben, dient die Wanne jetzt auch als Sammelbehälter für das Pinselauswaschwasser. Voller Hingabe beobachten die Kinder, wie die verschiedenen Farbtöne des Auswaschwassers sich miteinander vermischen. Die Farbreste in den Reibeschälchen lassen wir eintrocknen, um sie beim nächsten Mal wieder aufzubereiten und zu benutzen.

Während des ganzen Malens gil: es wird nicht herumgegangen (bis zum Malbretter wegräumen) und auch nicht herumgealbert, damit nichts herunterfällt. Das war für alle Kinder ganz einsichtig und braucht nur hin und wieder eine kurze Erinnerung. In der ersten Woche war ich hier sehr konsequent, so dass die Kinder dies gut verinnerlicht haben.

Vor dem nächsten Freitagsmalen hänge ich die Bilder auf. Bevor wir mit dem neuen Malen beginnen, betrachten wir erst einmal die Bilder der Vorwoche nach ganz verschiedenen Gesichtspunkten.

Ein Vater aus meiner Klasse hat auf meinen Wunsch hin eine Anregung aus dem Waldorf Ideenpool für uns umgesetzt. Nach meinen Blättersortiererfahrungen der Vergangenheit kurz vor Schuljahresende und der Zeit und den Nerven, die ich dabei gelassen habe, da trotz Mappen doch nicht alles geordnet war, habe ich mich für diesen Versuch entschieden und bin ganz begeistert. Bei uns hängen nun zwei Leisten übereinander, an denen jedes Kind für seine Blätter seinen Platz hat. Ich habe an dieser Stelle eine alphabetische Ordnung gewählt.
Am ersten Schultag hing an jedem Aufhängungsplatz ein DIN A 3 Blumenbild mit dem Namen des Kindes. Auf die Garderobenschildchen hatte ich die gleichen Blumen gemalt, so dass die Kinder ihr Blümchen bald erkannten. (Ich habe immer eine Blume ausgewählt, die in dem Monat blüht, in dem das Kind geboren ist.) Nun hängt schon für jedes Kind ein kleiner Stapel eigener Bilder an der Leiste. Am letzten Schultag wird das erste von mir angefertigte Bild das Deckblatt sein und alle Bilder von dem Kind werde ich dann mit einer schönen Schnur zusammenbinden.  Die Kinder freuen sich schon auf ihr großes DIN A 3 Buch, so dass sie die gelochten Blätter nicht als Makel empfinden. Ja und für mich kann man Kunst auch in einem Buch sammeln!
(Und ich gebe es auch ganz ehrlich zu, ich freu mich schon darauf, die Bilder nur noch abnehmen zu müssen, dass Deckblatt nach vorn zu tun, die Schnur durchzufädeln, eine schöne Schleife zu binden und alle Bilder sind wohl verwahrt und können mit nach Hause genommen werden.)





Kommentare:

Hanna hat gesagt…

Schön hört sich das an!
Da blutet mir doch mal wieder ein wenig das Herz, dass wir uns wegen des langen Anfahrtsweges hier auf dem Land (60min Zugfahrt+40min Fußweg durch Wald und Feld pro Tag)gegen die Waldorfschule entscheiden mussten. Unsere Tochter geht ab Sommer in die Grundschule im Ort, die nur 500m entfernt liegt und von sich selber sagt, sie pickt sich das Beste von Waldorf- Montessori- und Naturpädagogik raus. Eine recht gute Alternative denke ich und wir werden versuchen, den Rest zuhause aufzufangen.
Lg Hanna

Katharina hat gesagt…

Liebe Nula,
vielen lieben Dank für diesen Beitrag, den ich mir ja (gar nicht mal so) heimlich gewünscht hatte. :-)
Die Idee mit den Leisten finde ich ganz toll! Pigmentfarben kenne ich nur aus einem Praktikum, fand ich damals aber sehr interessant. Die Farben werden dann immer neu angemischt? Ich finde bei den Stockmar-Farben den Geruch von schon etwas älterer Farbe sehr gewöhnungsbedürftig...
Ich habe nun übrigens Bescheid, dass ich mein Assistenzjahr in einer 1. Klasse beginnen werde - der Parallelklasse meiner Tochter. Das lässt mich hier noch interesierter lesen. ;-)
Viele liebe Grüße
Katharina

Nula hat gesagt…

@ Hanna, ich habe dir in deinem Blog geantwortet.

@ Katharina,
der Geruch vom angemischten Stockmar-Blau ist ein gutes Argument, um sich für die pflanzenfarbe zu entscheiden. ;-)
Die Farben rühren wir jedesmal neu an. Reste lassen wir eintrocknen und verwenden sie wie das Farbpulver.

Das ist ja toll, das du in einer 1. Klasse anfangen kannst. Und nicht mit den eigenen Kindern in einer Klasse zu sein, finde ich sehr von Vorteil.(Ich möchte unserer 7. Klässlerin gerade nicht auch noch jeden Tag im Klassenzimmer begegnen.)
Wann beginnt denn bei euch das neue Schuljahr?

Liebe Grüße
Nula

Weidenkatz hat gesagt…

LIebe Nula,
ich danke dir sehr für deine liebevollen Berichte aus deiner Klasse und mir geht es da wie Hanna, ein wenig blutet mir dass Herz, dass die Nächste Waldorfschule so weit weg ist. Auch wenn meine Tochter jetzt auf eine Zwergschule geht und nur 8 KLasenkameraden hat, die erste un zweite Klasse daher gemeinsam unterrichtet werden und sie eine sehr engagierte Lehrerin haben, sie sich selbst dort inzwischen auch wohl fühlt, Ich hätte sie gerne auf der Waldorfschule gehabt :/

Liebe Grüße
Steffi

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