Donnerstag, 28. Juni 2012

Erste Schreibepoche

Gerade sind wir mitten in der 3. Schreibepoche. So will ich heute die Gelegenheit nutzen und hier beginnen, auf unsere Schreibepochen im ersten Schuljahr zurückzublicken.

Ich habe heute alle Epochenhefte durchgeschaut: Wo fehlte noch etwas, weil jemand krank war? Welches Heft brauchte noch etwas Pflege, weil sich die mittelste Seite gelöst hat? Wo brauchte es ein "Pflaster", weil es vor lauter Eifer einen kleinen Riss gegeben hatte.
Es war sehr beglückend für mich die ganzen Hefte aller Kinder durchzuschauen. Zwei hefte sind nun voll, das dritte haben wir gerade begonnen und werden es im kommenden Schuljahr weiter führen.
Mit welcher Sorgfalt haben alle Kinder gearbeitet! Es sind wirklich richtige erste Bücher geworden.
Jedes ganz individuell, immer scheint auch das Kind durch, wenn ich die Hefte durch blättere.
Von Anfang an hatten wir ganz klare Regeln für die Heftarbeit, die ich bereits in der ersten Formenzeichenepoche, ja vom ersten Schultag an, angelegt habe. (Dazu ein anderes Mal mehr.)

Erste Schreibepoche:

Die erste Schreibepoche fand nach den Herbstferien (fast bis Weihnachten) statt. In der Formenzeichenepoche hatten wir bereits die kostbaren Wörter: ICH, DU und WIR geschrieben.
Nun waren die Kinder voller Vorfreude auf das wirkliche Schreiben. Ich hatte mir für die erste Epoche vorgenommen alle Vokale ( für die Kinder als Klinger bezeichnet) einzuführen und dann zu schauen, wie welche weitere Buchstaben (Mitklinger) vielleicht noch dazu kommen. Für die Mitklinger würde ich die Geschichte vom Toni (siehe erster Schultag, Toni) weiter erzählen. Die besondere Qualität der Vokale wollte ich aber durch eine andere Erzählweise hervorheben. So habe ich mich dazu entschlossen ganz auf die verschiedenen Qualitäten und Seelenstimmungen der Vokale einzugehen. Viele Anregungen holte ich mir dafür auch von der Eurythmie. Jeder Vokal hat bei uns eine ganz eigene Farbe mit der er die Silbe eines Wortes einfärbt. Diese Vokalfarben sind an die Farben der Vokale in der Eurythmie angelehnt. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen bereits in meinem ersten Durchgang gemacht. Sehr anregend für diese Form der Wortdurchgliederungshilfe ist der Beitrag von Bernd von Blomberg in der Erziehungskunst (als PDF im Internet recherchierbar).

Unser Spruch während der Einführung der Vokale:

I - E - O - U - A (Buchstabeneinführung Vokale)


Ich bin hier - hier bin ich,
lieb das helle Himmelslicht,
stehe fest auf Erden.
Gehe meinen Lebensweg
froh mit Gottes Segen.
Will mich mutig, ohne Furcht
durch das Dunkel wagen.
Dankbar fühl ich Tag für Tag
mich von Gott getragen.

 (copyright bei mir,
bei Weiterverwendung bitte kurze Nachricht an mich)

Hier ein bunter Blick in die verschiedenen Epochenhefte der Kinder in der Reihenfolge unsere Epoche

Jeder Vokal hat einen eigene Engel, der den Menschen den Seelenlaut brachte.

Unser erster Vokal war das I,
anregend auch, was im Anthro-Wiki darüber zu lesen ist.

(ich durchdringe etwas, mich ekelt etwas,...)




Jedes Kind hat auf der nächsten Heftseite ein Schatzkästchen angelegt, dass zu Hause mit dem neuen Buchstaben gefüllt wurde. Stolz zeigte die Kinder mir jeden Tag ihre sorgsam gefüllten Schatzkästchen.  


Das E:
(ich grenze mich ab, ich wehre mich,..)


und das Schatzkästchen für das E:


Das O:

(Staunend umfasse ich etwas, ich öffne mich und umschließe es gleichzeitig, ich bin in Sympathie verbunden,..)



Das O - Schatzkästchen:


I - E - O - unser Klinger - Dreiklang:


Das U:
(ich fürchte mich, Ehrfurcht, ich spüre die Tiefe, ...)


Ein U-Schatzkästchen:


Das A:
(ich staune, ich öffne mich ganz weit, ich frage,...


Auch das A bekam ein Schatzkästchen:


Die besondere Vokalreihe I E O U A:


In dieser ersten Epoche habe ich noch im Anschluss an die Klinger zwei Mitklinger eingeführt.

H - Der Helfer

Kurze Stichpunkte zur Geschichte:

- Toni ist mit seinem Freund Peter im Gebirge unterwegs
- da zieht ein Unwetter heran
- starker Regen setzt ein
- Bäche werden reißend
- Rückweg ist sehr schwierig
- Bach so breit, dass er nur überwunden werden kann, wenn man über einen Baumstamm balanciert
- Toni kommt gut herüber
- Peter traut sich nicht
- Toni kommt noch einmal zurück
- er hilft Peter, in dem er ihm die Hand reicht
- Toni ist Peters Helfer
- beide kommen sicher an das andere Ufer
- und gut zu Hause an



Ein H - Schatzkästchen:


Unser H-Spruch,
ein Zungenbrecher:

Hinter Hermann Hansens Haus
hängen hundert Hemden raus.
Hundert Hemden hängen raus
hinter Hermann Hansens Haus.



Erste Worte im Heft - Ausrufe:

AHA  *  HE  *  HIHI  *  OHO   *    HU 


M - Der Mund

Kurze Stichpunkte zur Geschichte

- Toni's Cousine Margarete ist zu Besuch
- sie ist erst 9 Monate alt
- Toni freut sich
- vor allem findet er es spannend zu beobachten, was Margarete mit ihrem Mund macht
- Oh, wie sie den Mund verziehen kann
- Toni könnte Margaretes Mund den ganzen Tag beobachten 

Ich war wirklich beeindruckt, wie schön die Kinder Margarete gemalt haben.
Eigentlich müsste ich alle abfotogarafieren. Ich habe jetzt einfach spontan
ein Heft aufgeschlagen.

Ein M- Schatzkästchen


Unser M-Spruch:

Meister Müller 
mahle mir mein Mehl,
 morgen muß mir meine Mutter 
Mehlmus machen.



Ein ganz wichtiges Wort:

MAMA



Zur zweiten Buchstabeneinführungsepoche (1. Teil) geht es hier.



Zum Weiterlesen / meine Vorbereitungsliteratur:

Erika Dühnfort, Ernst Michael Kranich "Der Anfangsunterricht im Schreiben und Lesen"
und natürlich
Rudolf Steiner "Menschenkunde. Erziehungskunst. Seminarbesprechungen."
Rudolf Steiner "Meditativ erarbeitete Menschenkunde"


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